Mittwoch, 3. April 2013

Ostern im Freilichtmuseum Groß Raden

Alrik und ich waren Ostern gemeinsam mit unseren Freunden von der Rungholts Sippe im archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden, um dort ein wenig Handwerk und Kampf vorzuführen.

Es war ein wirklich unglaublich kaltes WE, nachts hatten wir teilweise -10°C, der Boden war steinhart. Tagsüber war von Schneegestöber, über Wolken bis hin zu wunderschöner Sonne am letzten Tag alles dabei. Aufgrund der geringen Temperaturen war Handwerk kaum möglich; die Finger froren fast ab. Wir haben dann eher gekocht und nett ausgesehen und bei Bedarf den Touris das ein oder andere erzählt.

Samstag abend gab es eine gemeinsame Tafel im Tempel, zu der jeder etwas beigesteurt hat, das sich jedoch aufgrund der Temperaturen relativ schnell aufgelöst hat. Umso schöner dann der Sonntag abend mit einem großen Osterfeuer! Sehr atmosphärisch.

Eingang Burgwall

Eingang Freilichtmuseum

Tempel von Groß Raden

nochmals Eingang Burgwall

Brücke vom Burgwall zum Dorf
Aussicht vom Tempel auf Burgwall

Aussicht von Burgwall auf Dorf
Alrik in Aktion beim Mollenhauen




Figürchen im Museum

mein kleiner Schautisch mit Birkenrindenprodukten

Osterfeuer

slawische Ringe im Museum

Dienstag, 26. März 2013

Grundlegende Fragen

Mich würde  heute mal eure Meinung interessieren: wie genau nehmt ihr eure Darstellung?
Was ich fragen will ist folgendes: was sind eure Grundüberlegungen bei der Rekonstruktion? Beschränkt ihr euch auf die Rekonstruktion genau eines Grabes, oder mischt ihr? Achtet ihr dabei auf möglichst exakte Reproduktionen oder wollt ihr eher einen Grundüberblick geben? Wenn gewisse Funde fehlen, greift ihr dann auf andere Fundorte oder gar andere Völker zurück?

Beispiel: ich habe mich auf Birka festgelegt. Soweit, sogut. Ich habe Schmuckzubehör, das in Birka gefunden wurde (Schalenfibeln, Kleeblattfibeln, Gleicharmfibeln, Nadeldosen usw.). Der Schmuck ist jedoch aus verschiedenen Frauengräbern, ich rekonstruiere also kein spezielles Grab. Die Gefahr dabei ist, dass ich Schmuckzusammensetzungen trage, bei der mich eine Bewohnerin Birkas vielleicht ausgelacht hätte, weil z.B. meine Ovalfibeln schon seit mehreren Jahrzehnten aus der Mode ist (oder sowas nur die Oma meiner fiktiven Birka-Bewohnerin getragen hätte), oder weil die Nadeldose überhaupt nicht zu der Gleicharmfibel passt.

Okay. Dann Stoffe und ihre Webarten sowie Färbungen. Ich verwende Woll- und Leinenstoffe in den Bindungen Köper (vorwiegend 2/2), Diamant/Rautenköper, Fischgrat und Tuchbindung. Soweit alles gängige Wollbindungen. Aber gab es vielleicht Standards für gewisse Kleidungsstücke? So wie bei uns heute eine Jeans eher nicht in Fischgrat zu finden ist, sondern ein Köper ist. Wurden vielleicht für Trägerröcke oder Tuniken bestimmten Webarten bevorzugt (weil gewisse Bindungen auch gewisse Funktionalitäten und Vorteile mit sich bringen, Beispiel Wadenwickel)?

Wie sieht es mit Färbungen aus? Es gibt einige belegte Färberpflanzen sowie Färbungen, aber kann man diese wahllos für Kleidungsstücke verwenden? Waren Farben vielleicht auch Statussymbole, oder für gewissen Personen/Stände vorbehalten (siehe Farben im Hochmittelalter)? Und darf ich belegte Färbungen, die in Haithabu gefunden wurden, auch in Birka verwenden (im Hinterkopf: Handel)?

Was ist gar mit Kleidungsstücken aus vermeintlich anderen Kulturkreisen, wie etwa die allseits beliebte und auch von mir genutzte Skjoldehamn-Gugel? Wie handhabt ihr das?

Was ist mit Handwerken? Naalbinding z.B. ist ein nachgewiesenes Handwerk. Aber ist es okay, eine nadelgebundene Mütze zu tragen, wo doch kaum mehr als eine nadelgebundene Socke gefunden wurde?

Wie man sieht, könnte man diese Liste endlos fortführen.
Ich versuche für mich einen vertretbaren Mittelweg zu finden. Ich bin nunmal ein Mensch des 21. Jhds. mit einem 40h Job, einer Beziehung, einem Haushalt, weiteren Hobbies und Haustieren. Ich würde gerne meine Stoffe am Gewichtswebstuhl weben, die Wolle mit der Handspindel verspinnen - ach, am besten die dazu notwendigen Schafe halten. Da dies aber nicht möglich ist, versuche ich, Wollstoffe zu verwenden, die möglichst nah an den Funden sind, und sie mit für die skandinavische Eisenzeit belegten Färberdrogen zu färben.

Wenn Funde für Birka fehlen, dann sehe ich mir zeit- und "kulturgleiche" Fundstätten an (Haithabu, Ribe usw.), und "borge" mir dort das eine oder andere (Schuhe, Haithabu-Tasche). Aber: hier besteht natürlich wieder die Gefahr einer Verzerrung. Ich kann mir nicht sicher sein, ob -  um beim Beispiel der Haithabu-Tasche zu bleiben - diese nicht von einem Slawen, Ottonen oder sonstwem verwendet wurde. 

Ich denke, ihr versteht das Prinzip. Wie macht ihr das? Würde mich sehr interessieren :-)

Mittwoch, 20. März 2013

Blogroll

Nachdem ich jetzt schon Jahre ohne Blogroll herumposte, dachte ich, es wird endlich Zeit, das zu ändern. Letztendlich grase ich doch in mehr oder weniger regelmässigen Abständen ganz bestimmte Blogs ab, und möchte sie auch gerne teilen.

Verlinkt sind hauptsächlich Werkel- und Reenactmentblogs, und ich habe sicher den einen oder anderen vergessen :-/

Sonntag, 10. März 2013

Pimp my panova

Ich habe beschlossen, meine eher schmucklose Panova ein wenig zu tunen. Die Recherche bezüglich Panova hatte sich in der Vergangenheit ja schon als eher schwierig gestaltet. Auch die Fragestellung, ob eine Panova bestickt war oder nicht, wird wohl eher unbeantwortet bleiben. Meine slawische Darstellung tendiert also eher in Richtung Gromi, aber ich habe zumindest versucht, slawische Muster zu verwenden.

Gestickt mit krappgefärbten Seidengarn. Einen neuen walnussgefärbten Gürtel in Tuchbindungs gabs noch extra.



 

Sonntag, 24. Februar 2013

Alternative zum Gambeson: Der "Kampfkaftan"

Zu Alriks Hobby gehört auch FMA-Freikampf nach den Regelsystemen Huscarl und Codex Belli. Dafür ist natürlich eine Schutzausrüstung notwendig, die bisher aus einem 0815-Baumwoll-Gambeson und Lamellarrüstung bestand. Mit dem Baumwoll-Gambi waren weder Alrik noch ich jemals richtig glücklich, da das Ding fürs Frümi weder nachgewiesen war, noch durch schönes Design glänzte. Deshalb hatten wir die Idee, diesen durch ein gefüttertes Kleidungsstück zu ersetzen (Ich nenne es im Folgenden einfach Kampfkaftan :-), wie es vielleicht genutzt worden hätte sein können. Man merkt schon, auch das ist nicht nachgewiesen, aber doch deutlich vertretbarer als ein gesteppter Baumwoll-Alptraum.

Insgesamt hat mich dieses Projekt die letzten Wochen begleitet, und mich stellenweise echt schon genervt. Mit dem Ergebnis sind wir aber eigentlich ganz zufrieden. Nächstes Wochenende wird es dann seinen ersten Praxistest haben, und wir können es dann hier und dort noch ein wenig optimieren.

Die Fakten: Außenlage walnussgefärber Köper, Innenfutter ungefärbtes Leinen, Besätze und Säume aus rotem Leinwandwollstoff, gefüttert mit 3 Lagen Umzugsdecken vom Baumarkt (irgendwo muss man ja Abstriche machen ;-)

Ich habe zunächst alle Einzelteile (jeweils aus Wolle, Leinen und 3mal Futter) an den Kanten zusammengesteppt, und die Einzelteile dann mittels Sattlerstich zusammengenäht. Das war teilweise ein Kraftakt für die Finger, da ich durch 10 Lagen Stoff nähen musste. Die Kanten haben alle einen Besatz bekommen, da ein Umschlagen des Stoffes auf die linke Seite bei der Dicke nicht mehr gut ausgesehen hätte. Auf der Innenseite wurden die Säume noch vernäht, Alrik hat fix ein paar Hornknebel gefeilt, der Kaftan hat ein paar Zierriegel bekommen - et voilà, fertig.




Alrik hat das Ding dann gleich mal kurz Probe getragen, um zu gucken, ob es noch irgendwo zwickt. Zum Glück ist das Gegenteil der Fall: der Kampfkaftan sitzt gut, und engt in der Bewegung nicht ein. Und auch der Lamellar passt noch drüber.









Sonntag, 17. Februar 2013

Haithabu-Tasche. Oder: wovon Frau nie genug haben kann

Meine Haithabu-Tasche ist schon eine ganze Weile fertig und auch in Gebrauch. Fazit: sie hat sich absolut bewährt. Die Bügel sind aus Eiche und mit Öl behandelt und durch einige Sonnentage auch schon deutlich nachgedunkelt. Die Tasche ist aus walnussgefärbtem leinwandbindigem Wollstoff, und mit ungefärbtem Leinengarn vernäht. Auch die Verbindung zwischen Bügel und Wollstoff ist Leinengarn. Ursprünglich war die Verbindung auch aus Wollstoff, das fand ich dann aber zu klobig, und habe den Wollstoff durch das Leinengarn ersetzt.






Und weil ich die Tasche so hübsch und praktisch finde, und Frau eigentlich nicht genug Handtaschen haben kann, hat Alrik mir ein weiteres Paar Taschenbügel gebaut. Diesmal ein anderes Modell, maßstabsgetreu und wie der Vorgänger auch aus Eiche. Ich bin ganz hin und weg, und muss sagen, dass mir diese Variante noch besser gefällt als die erste.






Diesmal möchte ich aber die Tasche nicht wieder aus Wollstoff nähen, sondern ein wenig interpretieren. Da ja außer den Bügeln bis auf ein paar Wollfasern nichts gefunden wurde, ist ein wenig Spielraum für Spekulationen da. Bald mehr dazu :-)