Mittwoch, 8. Juli 2015

Kurische Darstellung

Es war hier ein wenig ruhiger in letzter Zeit, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht fleissig waren. Wir haben weiter an Alriks kurischer Darstellung gearbeitet. Alrik hat an der Aufhängung seines Schwertes gebastelt - dazu in Kürze ein Post - und ich an seiner zivilen Darstellung.

Die Kuren sind leider ein etwas problematisches Völkchen, was textile Überreste angeht. Allzuviel ist nicht übrig geblieben. Meist sind es nur textile Reste, an denen man noch die Bindung und evtl. die Farbe sehen kann. Die wenigsten Funde lassen Schlüsse auf einen Schnitt zu. Es gibt einen gut erhaltenen Mantel im Sinne eines Überwurfs/Teppichs, einige Wadenwickel und eine Art Kapuze. Das wars aber auch schon fast wieder.

Konkrete Schnitte in Bezug auf Hose und Tunika lassen sich kaum ableiten.
Bei der Hose ist man sich (= in der Literatur sowie bei den Rekonstruktionen in verschiedenen Museen und bei den kurischen Darstellern) wohl fast einstimmig sicher, dass es eine gerade geschnittene Hose gewesen sein muss. Einige Darsteller orientieren sich an germanischen Funden wie Damendorf und Thorsberg, andere wieder am Skjoldehamn-Fund, wieder andere basteln etwas zusammen, bei dem ein gerader Schnitt herauskommt. 
Wir haben uns aus verschiedenen Gründen für die Thorsberg-Hose entschieden, u.A. damit Alrik diese Hose auch für andere Darstellungen verwenden kann.
Ich habe diese Hose das erste Mal genäht, und schon ein wenig geflucht. Ich finde den Schnitt immer noch nicht besonders logisch, und mein Gehirn verknotet sich da manchmal. Aber es ist im Endeffekt eine Hose rausgekommen, die gut passt und aus walnussgefärbten Diamantköper besteht.

Die Tunika ist ein 2/2 Köper, der mit Indigo gefärbt wurde. Der Schnitt dieser Tunika zieht sich durch die verschiedenen lettischen bzw. litauischen Völker, und kann als universell in diesem Raum gelten. Er ist schlicht und gerade gehalten ohne Seitengeren, hat aber einen charakteristischen Halsauschnitt, unter dem die Untertunika aus Leinen (ebenfall simpler Tunika-Schnitt mit Geren) zu sehen ist. Gerade bei den Lettgalen ist der Schnitt der Tunika durch die zahlreichen eingewebten Bronzeringe gut erhalten geblieben. Teilweise deutet die Lage der Fibeln in den kurischen Gräbern auf einen ähnlich gearteten Ausschnitt hin (teilweise, weil die Gräbersitten bei den Kuren sich oft von Körperbestattung zu Feuerbestattung wandeln).

Die Mütze ist ebenfalls interpretiert, und orientiert sich an einem Fund aus Girkaliai (Grab 5). Dort wurde ein zusammenhängendes Objekt gefunden, bestehend aus 4 jeweils doppelten Bronzeringreihen mit 4 Perlen dazwischen. Der Fundbericht interpretiert das als Ornament, das am Kopf getragen wurde. Ob das nun ein Stirnband oder eine Mütze war, weiss man nicht genau. Wir haben uns für eine Mütze entschieden, und diese ebenfalls nach einem universellen Schnitt genäht (4 Segmente sowie eine Umrandung, auf die dann die Bronzeringe sowie Perlen genäht wurden).

Die Wadenwickel sind, wie im kurischen Fund auch, aus Fischgrat, und mit Krapp gefärbt. Die Schuhe sind erstmal welche aus dem Haithabuer Bereich.

Die restlichen Bestandteile wie Schmuck, Messer und Sax wurden schon an anderer Stelle hier im Blog vorgestellt.

Grundsätzlich müssen wir zu der Darstellung noch sagen, dass wir uns an keinem konkreten Fund orientiert haben, sondern verschiedene Gräber aus plusminus einem Zeitraum verwendet haben. Es war zudem manchmal wirklich Detektivarbeit, die einzelnen Bestandteile zusammenzusetzen, da oft die Sprachbarriere im Weg stand, oder wir nur über Umwege an Fundbilder kamen. 





Girkaliai, Grab 5

Kommentare:

  1. An eine kurische Darstellung hätte ich mich nicht getraut, gerade wegen den wenigen Funden, auf die man zurückgreifen kann. ;) Aber wunderschön ist es geworden, das muss ich ja sagen. :)
    Lg aus dem Passeiertal

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  2. Danke :-) Ganz so mau ist die Fundlage ja zum Glück nicht, auch wenn es in vielen Punkte noch offene Fragen gibt ;-)

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