Montag, 9. März 2015

Alamannische/Merowingerzeitliche Frauentracht

Es war ein wenig ruhiger hier, aber ich war fleissig, und wollte die Ergebnisse gemeinsam präsentieren.
Ich habe endlich an meiner alamannischen Frauentracht weitergebastelt und bin ein gutes Stück weitergekommen.

Zur Erinnerung: in diesen Posts geht es um das Schmuckinventar sowie Literatur und das entsprechende Grab (Gräberfeld Weingarten, Grab 111).

http://vikinghandcraft.blogspot.de/2013/01/schmuckinventar-weingarten-grab-111.html
http://vikinghandcraft.blogspot.de/2013/01/das-mach-ich-im-winter-teil-2-alamannen.html

Besagtes Grab ist ein Sarggrab (leider gestört), mit 2 Bügelfibeln auf dem Leib, und Pferdchenfibeln auf der rechten Schulter. Weitere Funde waren eine Gürtelschnalle auf der rechten Hüfte, ein Ring unter der Schnalle sowie einer Kette zwischen den Füßen.

Zeitlich wird das Grab auf ca. 500-510 datiert. Die typische Frauenmode dieser Zeit ist eine Vierfibeltracht: 2 Bügelfibeln und 2 Kleinfibeln. Diese Kleinfibeln kommen in verschiedenen Formen vor wie z.B. Vögel, S-förmige Fibeln oder Pferdchen. 

Leider gibt es nur sehr wenige textile Funde aus der MWZ (zumindest verglichen mit den ganz ordentlichen Überresten der Wikingerzeit), aber es lässt sich dennoch eine Tracht rekonstruieren: ein Unterkleid aus Leinen, vermutlich ca. wadenlang/über-knie-lang, ein Überkleid aus Wolle sowie ein vorne offenes Mantelkleid.
 
Da ich mich nur schwer entscheiden konnte, habe ich mehrere Varianten genäht: 

2 Leinenunterkleider, eines davon mit einem runden Ausschnitt und eines mit einem geschlitzen (davon gibt es keine Bilder, farblose Leinenkleider sind etwas langweilig zu fotografieren).

1 geschlossenes Überkleid aus Wolle (2/2-Köper) mit Rautenköper-Besätzen
1 vorne offenes Mantelkleid aus leinwandbindiger Wolle ebenfalls mit Rautenköper-Besätzen.

Bei allen Varianten habe ich mich für Keile entschieden, wobei es durchaus Diskussionen gibt, ab wann es denn tatsächlich Keile gegeben hat. Ich habe es aufgrund von einer besseren/sparsameren Stoffausbeute getan.






Da in meinem Grab nur eine Gürtelschnalle gefunden wurde, blieb mir die Frage, aus welchem Material der Gürtelriemen bestand. Ich persönlich fand Leder am schönsten, das ist dann mit einem regelmässigen "Zähnchen-Muster" (freie Interpretation) punziert habe.








Dann habe ich noch eine Zierscheibe geschenkt bekommen, die ich einfach wunderschön finde, und die so ganz ähnlich auch in Weingarten gefunden wurde (Grab 790). Problem dabei ist: Zierscheiben traten in Weingarten erst ab ca. 520/530 auf. Ich bin mir noch unsicher, ob ich sie wirklich tragen möchte. Sind 10/20 Jahre Abweichung noch vertretbar? Ich überlege da noch....






Was ist noch zu tun?
Zum einen fehlen mir immer noch meine Pferchen-Kleinfibeln. Ein paar Bronzegießer wurden mir empfohlen, da werde ich mal nachfragen.
Dann ist noch das Thema Wadenbindegarnitur offen. Mein Grab hat leider keine Wadenzierbeschläge, darum werde ich ein simples Modell bauen. Das offene Mantelkleid benötigt noch Schlaufen für die Befestigung der Fibeln. Und das grundsätzliche "Gebamsel" fehlt auch noch. Der Ring muss noch gegossen werden, und mit den restlichen Funden irgendwie in Zusammenhang gebracht werden.
Es ist also noch ein klein wenig was zu tun ;-)



 

Kommentare:

  1. Liebe Asrun, ich bin ganz bezaubert von euren schönen Sachen. Bei diesem Post habe ich mich direkt in die Farben verliebt. Besonders die beiden kombinierten Blautöne haben es mir angetan. Du siehst darin bestimmt wunderschön aus. :)

    LG aus dem Defereggental

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  2. Hallo Ifrin, das ist aber lieb, besten Dank :-D

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